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Mandelbäume. Was Mallorca im Mai erzählt

Regionen·Mallorcas Mitte

Mandelbäume. Was Mallorca im Mai erzählt

Nicht die Februar-Blüte, die alle posten. Die stille Geschichte zwischen Februar und August.

Geschrieben vonNathalie Korcz6 Min. Lesezeit

Die Postkarte heißt Februar. Weiße Blüten, blauer Himmel, gut tausend Selfies. Aber zwischen März und August passiert all das, worüber niemand spricht. Und genau dort steht die ehrliche Geschichte der Insel. Wer wissen will, woher Mallorca kommt und wohin es geht, schaut in einen Mandelhain im Mai.

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Mai zwischen den Bäumen

Im Mai ist die Blüte zwei Monate vorbei. Die Bäume tragen Blätter, die kleinen grünen Mandeln werden langsam größer, das Licht zwischen den Reihen wird wärmer und der Boden trockener. Wer im Mai durch einen alten Hain läuft, hört Bienen, sieht den ersten Mohn zwischen den Stämmen, riecht trockene Erde mit einem Hauch von Wildkräutern. Es ist nicht spektakulär. Es ist die ehrliche Stimmung der Insel, bevor die Hitze kommt. Mai bis Mitte Juni ist für viele von uns die schönste Zeit des Jahres.

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Eine kurze Inselgeschichte in Bäumen

Mandelbäume kamen im zehnten Jahrhundert mit den maurischen Bauern auf die Insel. Sie passten zum trockenen Klima, brauchten wenig Wasser, lieferten viel Substanz. Wirklich groß wurde der Anbau aber erst, als Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Reblaus den Weinbau auf der Insel zerstörte und viele Bauern auf Mandel umstellten. Bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gehörte Mallorca zu den größten Mandelanbaugebieten der Welt. Sieben Millionen Bäume, sagen die Statistiken aus jener Zeit. Dann übernahm Kalifornien ab den sechziger Jahren den Weltmarkt, drückte die Preise, viele Inselbauern stellten den Anbau ein. Übrig sind heute noch ungefähr vier Millionen Bäume. Und seit etwa zehn Jahren plagt das Bakterium Xylella fastidiosa die Mandelhaine. Hunderttausende Bäume sind erkrankt, fast jeder Zweite ist befallen. Wer heute durch das Inselinnere fährt, sieht beides direkt nebeneinander: gepflegte Haine mit gleichmäßig geschnittenen Bäumen, und daneben Felder, in denen die Bäume schief und still vor sich hin altern.

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Wer heute noch Mandel anbaut

Es gibt eine kleine Generation von Bauern, die nicht aufgegeben hat. Premium-Höfe, die Mandel als Produkt mit Geschichte vermarkten. Die geschützte Herkunftsbezeichnung 'Almendra de Mallorca' (IGP seit 2014), Marzipan aus eigener Werkstatt, Mandellikör als ehrlichere Souvenir-Alternative zu den großen Hierbas-Marken. Einige kombinieren Mandel mit Wein. Die kleinen Bodegas um Porreres, Felanitx und Manacor zeigen, dass beides Hand in Hand geht. Wenn du im Mai oder Juni unterwegs bist, halt mal an einem Wegrand-Verkauf an. Wer dir mit Stolz seine eigene Ernte verkauft, erzählt dir in zehn Minuten mehr über die Insel als jede Hochglanz-Broschüre.

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Wenn dein Haus einen Mandelhain hat

Käufer fragen oft: "Was bedeutet das eigentlich, dieser Mandelhain auf der Finca?" Kurz: ein wenig Verantwortung. Mandelbäume brauchen wenig. Kein Bewässerungssystem, wenig Dünger, sie kommen mit Trockenheit zurecht. Aber sie brauchen einen Schnitt einmal im Jahr, Januar oder Februar, vor der Blüte. Und eine Ernte im August, traditionell mit Stöcken auf eine Plane geklopft, heute oft mit kleinen Schüttelmaschinen. Wer das nicht selbst machen will, übergibt die Pflege an einen lokalen Bauern aus dem Dorf. Er kümmert sich, behält die Ernte, ihr habt einen gepflegten Hain ohne Pflicht-Wochenende. Eine pragmatische Lösung, die im Inselinneren seit Generationen üblich ist. Ein paar dieser Bauern kennen wir persönlich, und es ist eine der Sachen, bei denen wir gerne mitanfassen, wenn ihr eingezogen seid.

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Warum wir hier durchgehen

Wenn man in der Inselmitte aufgewachsen ist, sind Mandelbäume kein Symbol. Sie sind Kulisse für alles. Die alten Mallorquiner erzählen noch von Sommern, in denen für ein paar Wochen Erntehelfer aus dem Norden Spaniens kamen, das ganze Dorf nach grünen Schalen roch und es im Hof Eimer voller frischer Mandeln gab. Diese Form gibt es heute nicht mehr. Aber wer im Mai durch einen alten Hain geht, fühlt das Echo davon noch. Es ist eine andere Art Schönheit als das Postkarten-Mallorca. Leiser, geduldiger, unspektakulärer. Genau das Mallorca, das wir vermitteln.

Junge grüne Mandeln am Ast. Der Sommer in Vorbereitung.
Junge grüne Mandeln am Ast. Der Sommer in Vorbereitung.

Geschrieben von

Nathalie Korcz

Managing Director

Aus Köln, seit 1999 auf Mallorca. Vernetzt in der deutschsprachigen Community auf der Insel. Ihre Stärke ist es, Menschen zusammenzubringen und zuzuhören, bevor sie verkauft.

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