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Warum Mallorca? Dreißig Jahre auf der Insel

Lifestyle·Raiguer

Warum Mallorca? Dreißig Jahre auf der Insel

Salzkrusten, gefrorene Zehen und ein Berg, der aussieht wie ein Backenzahn. Wie aus einer Sehnsucht nach Sonne ein Leben auf dieser Insel wurde.

Geschrieben vonMaren Amberg5 Min. Lesezeit

Diese Frage höre ich seit 30 Jahren, in x-fachen Varianten, mal beim Friseur, mal auf einer Dorffiesta, mal von neugierigen Feriengästen: „Warum eigentlich Mallorca?“ Und ich könnte es mir einfach machen und sagen: Sehnsucht nach Sonne. Fertig. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich Geschichten liebe, und diese hier hat es in sich – mit Salzkrusten, gefrorenen Zehen und einem Berg, der aussieht wie ein Backenzahn.

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Der Himmel und ich

Zuletzt lebte ich in Hamburg, dieser wunderschönen, grauen, wunderbar norddeutsch-nüchternen Stadt. Aber der Himmel und ich, wir kamen einfach nicht zusammen. Ich sehnte mich nach Farbe, nach Wärme, nach einem Leben, das sich nicht wie eine Dauerschicht im Nieselregen anfühlt. Mit 28 Jahren haben mein Mann und ich – beide ursprünglich aus der herrlich chaotischen Welt der Erlebnisgastronomie – beschlossen, einfach mal alles hinzuschmeißen und neu anzufangen. Neue Insel, neue Geschäftsideen, neues Leben. Ohne großen Plan, aber mit jeder Menge Mut und, im Nachhinein betrachtet, einer gehörigen Portion Naivität.

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Der WOW-Effekt

Am 17. Januar 1995, morgens um 8 Uhr, kamen wir mit der Fähre aus Barcelona an. Ich werde diesen Moment nie vergessen: Sonne satt, 20 Grad, und dieses Licht, das einem sofort sagt: Du bist richtig hier. Wir mieteten erstmal eine Ferienwohnung in Santa Ponsa, suchten von dort aus ein Haus zur Langzeitmiete in der Nähe, und ich stürzte mich mit Feuereifer ins Spanischlernen – bei Pepe aus Inca, meinem ersten Privatlehrer, der mit unendlicher Geduld meine ersten grammatikalischen Verbrechen ertrug. Nach drei Monaten der Umzug ins vermeintliche Traumhaus direkt am Meer, in einer exklusiven Wohnanlage in Costa de la Calma. Postkartenidylle pur – dachte ich zumindest. Privater Meerzugang, Badebucht um die Ecke. Und stellt euch vor: Ich habe einen Wetterkalender geführt (übrigens bis heute, nach 30 Jahren auf der Insel) und konnte es nicht glauben: Seit dem Tag unserer Ankunft im Januar bis Mai 1995 hatte es im Südwesten Mallorcas nicht einmal geregnet!

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Das Meer nervt!

Was mir vorher niemand erzählt hatte: Das Rauschen des Meeres kann einen nach ein paar Monaten ziemlich zur Weißglut treiben. Die Salzluft frisst systematisch jedes Möbelstück an, als hätte sie einen Vertrag mit dem Verfall geschlossen. Morgens fand ich regelmäßig eine feine Salzkruste auf dem Terrassentisch, wie eine Deko, um die niemand gebeten hatte. Und die Handtücher im Bad? Wurden. Nie. Trocken. Willkommen im echten Inselleben, dachte ich mir, während ich zum dritten Mal am Tag ein feuchtes Handtuch gegen ein anderes feuchtes Handtuch tauschte.

Der Südwesten war damals fest in deutscher und englischer Zweitwohnsitz-Hand, was anfangs herrlich praktisch war, um schnell Anschluss zu finden. Aber sobald der Winter kam, verwandelte sich die Gegend in eine Art Geisterstadt: Restaurants zu, Schaufenster weiß angepinselt, gähnende Stille, wo im Sommer noch Cocktailgläser klirrten. 1996 hatten wir genug von dieser Saisonabhängigkeit und wollten mehr echtes Mallorca, weniger Postkartenkulisse. Fündig wurden wir in Alaró.

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Meine große Liebe

Ein Dorf mit damals rund 5000 Einwohnern, mitten im Es Raiguer, direkt am Fuß der Tramuntana. Es war Liebe auf den ersten Blick und Glücksgefühl pur: offene, herzliche, neugierige Nachbarn, ein Blick ins Tal, der einen jedes Mal kurz sprachlos macht, und im Hintergrund thront der „Backenzahn-Berg“ mit der Burgruine Castell de Alaró, als hätte ihn jemand extra für Postkartenmotive dorthin gestellt. Im Februar blühten die Mandelbäume so überwältigend, dass man sich fragte, ob die Insel einen absichtlich verwöhnen will. Man konnte zu Fuß ins Dorf laufen, ohne je das Auto zu bewegen, und dieses Licht im Oktober – ich habe bis heute kein Wort dafür gefunden, das ihm gerecht wird.

Sechs Jahre haben wir dort gelebt, am Dorfrand, in der Calle Puig – „am Berg“, wie ein kleiner Wink des Schicksals passend zu meinem Nachnamen. Dort haben wir geheiratet. Dort haben wir unser erstes Büro von Impresol Publicidad eröffnet, mit einem Schreibtisch, viel zu viel Kaffee und noch mehr Zuversicht. Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen, quer durch alle Nationalitäten – mallorquinische Nachbarn, unseren Vermieter, die Dame von der Gestoria, die uns durch jeden Papierkram lotste, als wäre es ihr Herzensprojekt. Ich habe den Volkstanz Bal de Bot gelernt, bin mit Antonia bei jeder Dorffiesta auf dem Kirchplatz bei der „Jota“ oder dem „Bolero mallorquín“ herumgehüpft, mit Begeisterung und mit etwas Talent, und aus diesen Jahren sind Freundschaften erwachsen, die 25 Jahre später immer noch halten, als hätte die Zeit sie gar nicht bemerkt.

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Der Anfängerfehler

Es waren, trotz eisiger Winter in einem alten Steinhaus komplett ohne Heizung (nur offener Kamin und ein feuchter Gasofen), in dicken Pullovern unter drei Decken, einige der glücklichsten Jahre meines Lebens auf dieser Insel. Würde ich das heute nochmal machen? Ehrlich gesagt: nein. Wir wohnen mittlerweile ausschließlich in Häusern mit Zentralheizung, und ich bin nicht zu stolz, das zuzugeben. Aber genau das sind die typischen „Anfängerfehler“, wenn man noch nie während der Wintermonate auf Mallorca fest gelebt hat.

2022 hat es uns dann noch einmal weitergezogen, in ein anderes Dorf, mit einer ganz neuen Geschichte im Gepäck. Aber die hebe ich mir für den nächsten Artikel auf – ein bisschen Spannung muss ja bleiben.

COSTA DE LA CALMA – Das Chalet am Meer, aus Marens privatem Album. 1995.
COSTA DE LA CALMA – Das Chalet am Meer, aus Marens privatem Album. 1995.
Maren und ihr Mann Manuel, aus dem privaten Album. 1996.
Maren und ihr Mann Manuel, aus dem privaten Album. 1996.
ALARÓ – Das Steinhaus am Hang, Rosen an der Mauer. 1996.
ALARÓ – Das Steinhaus am Hang, Rosen an der Mauer. 1996.
Maren Amberg

Geschrieben von

Maren Amberg

Co-Founder · Sales & Property Scout

Seit 1995 auf Mallorca. Als Gründerin und Geschäftsführerin von Impresol Media Solutions führt sie seit über 30 Jahren eine auf Tourismusmarketing und Medien spezialisierte Agentur. Ihr außergewöhnliches Netzwerk zu Unternehmern, Hoteliers und Entscheidungsträgern der Insel bringt sie ins Team von Alma Balear ein.

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